Kraftaufwand und Illusionen

Heute ist ein guter Tag.
Für das, was so als gut gilt...
Im Vergleich der letzten Tage.

Die letzten Tage waren schlimm, Flo (das ist der Spitzname meines Bruders) ging es richtig schlecht, er hat so viele Schmerzmittel bekommen, dass er eigentlich nur geschlafen hat...wenigstens hatte er so keine Schmerzen?
Ich hatte Angst die letzten Tage, wir alle hatten Angst. Jedes mal, wenn ich sein Zimmer betreten habe, hab ich gezögert, weil ich nicht wusste, was mich erwartet, was passieren wird. Und jedes mal, wenn ich dann wieder gehen musste, hatte ich Angst, diese Verabschiedung könnte die letzte sein...

Es ist schrecklich, das jeden Tag zu erleben. Es zerreißt einen fast. Auf der einen Seite kann man es nicht ertragen, ihn leiden zu sehen, auf der anderen Seite kann man aber auch einfach nicht loslassen und will den Gedanken an ein Ende nichtmal ansatzweise denken.
Auf der einen Seite überlegt man fieberhaft, was man tun kann, um ihm zu helfen, auf der anderen Seite weiß man, dass es nicht mehr zu tun gibt, als für ihn da zu sein...

Ich möchte so viel mit ihm reden, seine Stimme hören, Scherze machen wie früher - und doch geht nichts davon und man ist froh, wenn er überhaupt bemerkt, dass man da ist.

Und neben den ganzen Sorgen um den einen Bruder gibt es da auch noch die anderen - der kleinste gerade einmal 3 -, die ebenfalls unter dieser Situation leiden, die aber auch eigene Probleme haben und Aufmerksamkeit fordern.
Es ist schwer, allen gerecht zu werden, meine Mum vollbringt in diesen Tagen echte Heldentaten...

All das ist in einem, Gefühle, die man in sich trägt, aber verbergen muss, weil sie schwach machen, weil man die Kraft braucht, um für ihn da zu sein und für die anderen.

All das raubt so viel Kraft.
Aber Tage wie heute - Tage, an denen es ihm ein kleines bisschen besser geht, an dem er einige Worte sprechen konnte und gelächelt hat, Tage, an denen man doch wieder wagt zu hoffen und irgendwie noch die Illusion behält, dass er doch vielleicht wieder gesund wird - solche Tage geben einem die Kraft, weiter zu machen.

Massl.

15.11.09 17:34, kommentieren

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Lähmende Angst und bewundernswerte Stärke

Ich würde so gerne so viel schreiben,und finde nicht einmal einen Anfang.

 In mir - in uns allen - sitzt eine so tiefe Angst, dass sie beinahe alle Gedanken und Handlungen lähmt.

In meinem Kopf geht so viel rum - typische Fragen, warum gerade er, warum diese Krankheit, warum gibt es keine Heilung mehr,... - über all das habe ich tausende Male nachgedacht und bin doch zu keinem Ergebnis gekommen außer zu dem, dass es Dinge auf der Welt gibt, die über den menschlichen Verstand gehen, die man einfach nicht begreifen - vielleicht nicht einmal akzeptieren? - kann, die man einfach hinnehmen muss und darauf vertrauen, dass jemand (Gott) einen Plan hat, der größer und besser ist als den besten, den wir je machen könnten.

Ich verstehe so vieles nicht...Und dann gehe ich in das Zimmer meines Bruders, dem es schlecht geht, der so viel leiden muss, und höre von ihm Sprüche, die von so viel Reife und Verstand zeugen, dass ich nur noch staunen kann.

Er vertraut darauf, dass alles einen Sinn hat. Er kann das. Wieso kann ich es nicht?

"Alles wird gut, immer! Das ist einfach so und nicht anders."

....wie kann ein Mensch so viel Stärke besitzen?

Wie sehr ich ihn doch bewundere.

Massl.

1 Kommentar 15.11.09 00:25, kommentieren

Weg der Verarbeitung?

Ich weiß nicht genau, warum ich diesen Blog hier schreibe.
Ich weiß nicht, ob ich den Blog gemacht hätte, wenn nicht alles so wäre, wie es ist.
Aber es ist so.
Leider.
Und irgendwie muss ich manche Dinge manchmal loswerden.
Und zwar ohne mit anderen direkt darüber zu sprechen, ohne mitleidige Blicke oder blöde Sprüche zu ernten, ohne andere traurig zu machen, ohne jemanden zu zwingen, mir zuzuhören.

Mein kleiner Bruder hat Krebs.
Im Endstadium.
1-2 Monate noch…sagen die Docs.
Vielleicht dauert es auch länger?
Vielleicht geht es schneller?
Vielleicht nur noch ein paar Tage oder Stunden…

Keiner weiß, wie lange er sich noch quälen muss.
Wie es weitergeht…
Ich weiß nur eines, ich hab Angst.

Ich will so viel reden, über ihn, darüber wie wunderbar er ist, darüber wie es ihm geht und wie es mir damit geht und meiner gesamten Familie, darüber, was ich fühle und denke. Über die Hilflosigkeit und Wut und Trauer und über die Freude und das Lachen und die Dankbarkeit.
Vermutlich wird das ein ziemlicher Mix zwischen guten und schlechten Einträgen. Aber so ist es nunmal…

Ich weiß nicht, ob mir dieser Blog helfen wird.
Aber ein Versuch ist es wert…

Massl.

2 Kommentare 14.11.09 19:53, kommentieren